Dr. A. Hereth & Dr. H. Ulbricht 

Einigkeit besteht darin, dass besonders Begabte - wie alle Lernenden - von einem Unterricht profitieren, der individualisierend gestaltet ist und in dem Lehrkraft und Lernende sowie die Lernenden untereinander eine gute Beziehung zueinander haben (siehe auch unter Guter Unterricht, z.B. bei H. Meyer "10 Merkmale guten Unterrichts": Lernförderliches Klima). 

Im Folgenden finden Sie Hinweise zur Unterrichtsgestaltung in Hinblick auf die spezifische Förderung von besonders Begabten. Ein thematischer Schwerpunkt liegt dabei auf Methoden des individualisierenden Unterrichtens. Dabei wird auch auf das Themenfeld pädagogisch diagnostizieren eingegangen. Pädagogisches Diagnostizieren ermöglicht, während des Lernprozesses den Lernenden individuelles Feedback zu geben. Auch dies fördert das für besonders Begabte explizit empfohlene selbstorganisierte Lernen und kann außerdem dazu beitragen, die Beziehung Lehrkraft - Lernende positiv zu beeinflussen.

Eigenschaften begabungsfördernden Lernens

Weinert F.E. (2000) definiert folgende Eigenschaften begabungsfördernden Lernens:

  • konstitutive Attribute: aktiv, konstruktiv, zielgerichtet, kumulativ
  • fakultative Attribute: systematisch, situiert
  • antizipative Attribute: selbständig, selbstregulierend, kooperativ, partizipativ

Die unter "Förderung / Methoden (Schulebene)" thematisierten Förderprinzipien Enrichment, Akzeleration, Separation/Grouping, Mentoring und Kooperation mit außerschulischen Partnern können auf der Unterrichtsebene am besten umgesetzt werden, wenn dieser individualisierend und handlungsorientiert gestaltet ist und es ermöglicht, pädagogisch zu diagnostizieren. Dadurch können die Lernenden z.B.

  • Themen vertiefen
  • in unterschiedlichen Geschwindigkeiten Lernziele erreichen
  • selbständig in Gruppen oder allein arbeiten
  • individuelles Feedback erhalten
  • im Rahmen von Projekten außerschulische Partner kennenlernen.

 

Motivation

Exemplarisch soll hier auf zwei Forschungsergebnisse verwiesen werden, die zeigen, worauf bei der Förderung der Lern- und (überdauernden) Leistungsmotivation besonders begabter Lernender im Unterricht u.a. besonders geachtet werden sollte:

  • Kleij, M. (2000) kommt z.B. in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass es bzgl. der erzielten Lernergebnisse hochbegabter Kinder keine Unterschiede gibt, wenn sie nach den Prinzipien der direkten Instruktion oder des forschenden Lernens unterrichtet werden. Die Kinder bringen jedoch zum Ausdruck, dass sie das forschende Lernen präferieren.
  • Hoppe, Ch. & Stojanovic, J. (2006), verglichen in ihrer Studie zur mathematischen und musikalischen Hochbegabung mit bildgebenden Verfahren die Hirnaktivität von normal Begabten und besonders Begabten. Die Forscher stellten fest, dass es beim Lösen normal schwerer Aufgaben keine Unterschiede gibt in Hinblick auf die Hirnaktivität von normal und besonders begabten Lernenden. Erst beim Lösen schwerer Aufgaben können  höhere und schnellere Hirnaktivitäten bei den besonders Begabten beobachtet werden. Diese lösten darüber hinaus die schweren Aufgaben mit größerem Erfolg als die normal begabten Probanden. Die Forscher schlussfolgern, dass besonders Begabte dann erhöhte Hirnaktivität zeigen, wenn sie sich mit Aufgaben beschäftigen, die ihrem Begabungspotential entsprechen pdf

 

Unterrichtsmethoden - alle Schularten

Spezifische methodisch-didaktische Möglichkeiten der integrativen Förderung besonders begabter Kinder können sein:

  • Methodenvielfalt
  • Freiräume gewähren
  • selbständiges Lernen ermöglichen
  • als Lehrer auch Coach und Partner sein

(siehe z.B. Urban K.K., 1996, Methodisch-didaktische Möglichkeiten der integrativen schulischen Förderung von besonders begabten Kindern pdf.)

Eine übersichtlich strukturierte, umfassende Zusammenstellung begabungsfördernder Unterrichtsmethoden können Sie folgendem Cluster entehmen (vgl. Schmid, G. (2014), in: Weigand, G. et al., 161 f.pdf). Mit "Personorientierung" ist in dieser Zusammenstellung in Hinblick auf den Lehrenden gemeint, dass durch die genannten Methoden eine "Akzentverschiebung von der Konzentration auf das Lehren zur Person des Lernenden" erfolgt (Schmid, in Weigand et al. 2014, 160).  

Für diese Fokussierung auf die Schülergesamtpersönlichkeit bietet der bayerische LehrplanPLUS mit dem Prinzip der Kompetenzorientierung die notwendige Grundlage. Als kompetent wird dabei eine Person angesehen, die bereit ist, neue Aufgaben- oder Problemstellungen zu lösen, und dieses auch kann. Hierbei muss sie Wissen bzw. Fähigkeiten erfolgreich abrufen, vor dem Hintergrund von Werthaltungen reflektieren sowie verantwortlich einsetzen. Der LehrplanPLUS zielt deshalb auf die individuelle Entwicklung der Lernenden in Hinblick auf deren

  • Fachkompetenz
  • Methodenkompetenz
  • Sozialkompetenz
  • Selbstkompetenz

 

Unterrichtsmethoden - Primarstufe

In den folgenden Präsentationen bzw. Aufsätzen finden Sie neben grundsätzlichen Aussagen zum Thema besondere Begabung bzw. Hochbegabung Anregungen für den Unterricht in der Primarstufe:

  • Förderprinzipien Mathematik pdf
  • Förderansatz Philosophieren mit Kindern pdf

In diesem Aufsatz werden 25 Anregungen zur Kreativitätsförderung für alle Jahrgangsstufen formuliert pdf

In der ISB-Handreichung „Pädagogisch diagnostizieren im Schulalltag“ finden Sie in komprimierter Form eine Einführung ins Thema und viele methodische Anregungen, die im Schulalltag umgesetzt werden können pdf

 

 

zum Themengebiet

Pädagogisch diagnostizieren und individuell fördern

finden Sie unter dem Menüpunkt "Päd. diagnostizieren" auf diesem Portal fünf Vorträge von Prof. Dr. W. Sacher zum Anhören. Sie können die dabei zu sehenden Präsentationen der Vorträge auch herunterladen.