Dr. Stefan Seiler

 

Im Folgenden wird eine Auflösung der ganannten Fallbeispiele dargestellt. Klicken Sie dazu das jeweilige Fallbeispiel an.

 

  • Margarita nahm insgesamt 5 psychotherapeutische Gesprächstermine wahr, einen davon gemeinsam mit ihrer Mutter. Weitere Interventionen (z. B. familientherapeutische) lehnte sie ab. In diesen Gesprächen reflektierte sie ihre familiäre und soziale Situation. Es gelang ihr gut, ihr Bedürfnis nach mehr Nähe zur Peergruppe zu erkennen und Strategien zu entwickeln, wie sie dem näher kommen konnte. Hinsichtlich der Lösung ihrer familiären Konflikte bestärkte sie der Beratungsverlauf, sich weiter abzulösen, indem sie konfrontativ mit ihren Eltern über ihren Zwiespalt (Vermittlung von kollektiven Werten einerseits und Zerbrechen der Familie andererseits) sprach. Nach diesen Terminen wirkte Margarita gestärkt, zuversichtlicher und deutlich entspannter. Aufgrund ihrer guten intellektuellen Fähigkeiten benötigte sie nur wenig, um aus ihrer „Krise“ herauszufinden. Sie war in der Lage, ihre Probleme eigenverantwortlich und autonom zu lösen.
  • Hannes kam ebenfalls zu einer sehr begrenzten Anzahl von Terminen, setzte das Besprochene dann eigenständig – und teilweise gemeinsam mit seiner Mutter – um, und kam dann erneut zur Beratung, um sich weitere Impulse zu holen. Etwa 1 Jahr nach Beendigung der zweiten Beratungsphase kam er zu einem Kontrollgespräch, in dem er berichtete, dass sich die Situation gut gelöst hat. Er schreibt weiterhin sehr gute Noten und ist sozial inzwischen gut integriert. Er profitierte vor allem davon, dass mit ihm die Handlungsmotive seiner Kontrahenten entschlüsselt wurden und es damit möglich wurde, deren Abwertungen nicht so sehr auf sich selbst beziehen zu müssen. Er profitierte weiterhin davon, Handlungsstrategien zu entwickeln, um mit der schwierigen sozialen Situation besser umgehen zu können. Hierzu zählte vorrangig die Identifikation von Klassenkameraden, auf die er sich – unabhängig von seinen Kontrahenten – stärker beziehen konnte wie auch Strategien im Umgang mit den direkten Abwertungen und Feindseligkeiten (z. B. sinnvolle Gesprächsstrategien und Erwiderungen, Abbau des Rückzugsverhaltens).
  • Mit Michael wurde eine verhaltenstherapeutische Kurzzeittherapie (ca. 25 Termine) durchgeführt. Innerhalb seiner Grenzen baute er dabei einen ausreichenden therapeutischen Kontakt auf. Immer wieder gelang es auch, dass er aufmerksam zuhörte und sein Verhalten in Maßen reflektierte. Er blieb aber bis zum Ende sehr zurückhaltend, in sich gekehrt und passiv. Immer wieder musste er deutlich konfrontiert werden, um sein Bedürfnis nach Nähe nicht zu verleugnen und abzuwehren. Nach diesen Terminen wurde die Therapie – gegen den Willen der Mutter – beendet, aus der Befürchtung heraus, dass die bereits bestehende Defizitorientierung weiter verstärkt werden könnte ohne dass es gelingt zu nachhaltigen Veränderungen zu kommen. Stattdessen wurden Termine mit der Mutter fortgeführt, um ihr Unterstützung im Umgang mit Michael zu vermitteln und die Akzeptanz für sein „kantiges“ Wesen zu verbessern. Michael entwickelt sich aktuell gut, hat mittelmäßige Schulleistungen und ist ausreichend sozial integriert. Er hat 2-3 engere Freunde, bleibt in der Klasse respektiert. Die häuslichen Konflikte um seine schlechte Führbarkeit und Mitwirkungsbereitschaft wurden insgesamt weniger.
  • Rüdiger und seine Familie wurde über etwa 2 Jahre einzel-, paar- und familientherapeutisch behandelt. Dabei kam es zunächst zu wesentlichen Verbesserungen bezüglich der Familiendynamik, hinsichtlich der Vereinheitlichung des Erziehungsstils sowie der Symptomatik bei Rüdiger. Er stabilisierte sich schulisch und reduzierte sein dissoziales Verhalten. Die therapeutische Begleitung brach dann jäh ab, als der Konflikt zwischen den Eltern voll aufbrach und die Eltern sich trennten. In dem Maße, in dem die Aufsicht der Eltern abnahm, schritt die dissoziale Entwicklung Rüdigers voran, bis er auch die Mittelschule abbrach und straffällig wurde.